Am 25.August wurde im Tagesspiegel unter der Rubrik Wissen und Forschen“ ein Artikel mit dem Titel „Aufstieg in High Heels“ veröffentlicht.
Besprochen wird die gerade auf Deutsch erschienene Untersuchung „Top Girls“ ( engl. „The Aftermath of Feminism“) zum Thema Postfeminismus von der britischen Professorin Angela Mc Robbie.
Da es hauptsächlich um Frauen wie uns geht, die wir hier alle unter dem Titel eve-without-adam versammelt sind, sollte hier auch jemand, zu diesen Thesen Stellung beziehen.

1. Postfeminismus:
Wasn das? Der Begriff ist so umstritten, wie etwa der Begriff Demokratie und schon immer haben die wahren Feministinnen zu dieser peinlichen Kategorisierungsfloskel nur müde lächelnd sagen können: „Einen Postfeminismus kann es erst in einer postandrozentristischen Gesellschaft geben!“
Lieber Tagespiegel – das ist beschämend – sucht Euch Redakteurinnen, die Ahnung haben, von dem was sie schreiben. Einen Begriff in Anführungszeichen zu setzen macht die Sache auch nicht besser – zumal wenn dies nur in den ersten drei Absätzen des Artikels geschieht und sie anschließend weggelassen werden.
2. Feministinnen und Lesben:
Von denen sollen sich junge, erfolgreiche, Minirock-Highheel-Kombination tragende Frauen distanzieren – sie als „kastrierende Figuren“ verunglimpfen.
Blödsinn! Wir lieben Feministinnen und Lesben! Zudem hielten wir die Kastration für eine angemessene Strafe chauvinistischer Subjekte – wenn sich die meisten Männer nicht ohnehin in unseren Augen schon selbst kastriert hätten mit ihrer unzeitgemäßen Einstellung zu Familie, Kindern und starken Frauen.
Das Ablehnen vom Feminismus war zu allen Zeiten lediglich Ergebnis von fehlender Bildung.
3. Sexualverhalten:
Unsere Partyoutfits werden als „postfeministische Maskerade“ bezeichnet, lesbischer Sex im Minirock bedeutet wir sind „phallisch“ und natürlich steht das auch damit im Zusammenhang, dass wir „Hasstiraden auf Feministinnen“ halten.
Hääää? Partyverkleidung- Ja! Gibt es irgendeine Kultur auf diesem Planeten, in der sich bei einer Feier nicht verkleidet wird?
Lesbischer Sex auf der Toilette einer Bar mit einer oder auch zwei Freundinnen – klares Ja!
In der Regel sind wir von unseren Verkleidungen selbst extrem angeturnt und da sehr selten ein brauchbares Alphamännchen mit der richtigen Einstellung unseren Weg kreuzt (gibt’s die noch?)– nun ja…selbst ist die Frau.
Hasstiraden auf Feministinnen – Wieso? Wir sind Feministinnen.
Liebe Angela Mc Robbie geh doch mal mit uns feiern…
4. Niedergang der Linken:
Der Postfeminismus sei eine Reaktion auf den Niedergang der Linken.
Welcher Niedergang?
Wir sind nicht niedergegangen. Es gibt uns noch – überall auf der Welt. Ihr erkennt uns nur nicht, weil ihr euch nicht vorstellen könnt, dass die knutschenden Mädels im Club, die sich ohne Männer amüsieren, tagsüber Nancy Fraser, Judith Butler und Selma Benhabib lesen und diskutieren – ihr voreingenommenen Foubous!
5. Junge Mütter ohne Mann:
Die würden wir verhöhnen. Meine Lieben gerne würde ich Euch namentlich nennen aber wir alle wissen wer gemeint ist. Ihr seid toll!
Einige von uns sind Mütter, manche in Beziehungen, manche nicht und dann wieder doch – mit einem anderen und wenn der auch nichts taugt – dann halt doch wieder nicht. Manche Männer kümmern sich weiter, bei anderen ist es besser, dass sie ganz verschwunden sind. Hohn gegen Mütter- wasn das?
6. Weiblicher Perfektionswahn:
Um diesen Wahn zu veranschaulichen zitiert Mc Robbie Amy Winehouse: „Ein bisschen Magersucht, ein bisschen Bulimie. Es geht mir nicht total gut gerade, aber ich denke, das geht allen Frauen so.“
Mann, mann, mann – Amy ist drogenabhängig, das ist eine anerkannte Krankheit – ergo die Frau ist total krank und eine ihrer Äußerungen im Suff soll unsere Generation repräsentieren? Geht’s noch?
7. Die Krönung der Unverschämtheit
Zitat: „Auch Postfeministinnen sollten sich die Lektüre gönnen, wenn ihr Freund einmal keine Zeit hat für „Knallersex“. Aber nur heimlich unter der Bettdecke, sonst hält man sie noch für hässliche Feministinnen.“
Lieber Tagesspiegel,
wenn mich dieses pseudowissenschaftliche Buch auch nur die Bohne interessieren würde, würde mir mein Freund aus dem Buch vorlesen, während ich mit ihm Knallersex habe, wenn ich ihm sagen würde, dass es mich anturnt.
P.S.
Lieber Papa,
zu Deiner Frage – Nein, Du brauchst Dir dieses Buch nicht kaufen, um meine Generation zu verstehen – lad doch einfach mal mich und zwei von den Girls zum Essen ein und stell uns die Fragen, die Dir auf dem Herzen liegen.
Kuss