by Maxim Kaspar
28 Oct

Baby Change 2

Ich möchte wirklich dringend davon abraten, sich über den unten dokumentierten Weg seiner Kinder zu entledigen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme es sei legal, handelt es sich immer noch um eine Straftat. Als neue offizielle UNO-Sonderbeauftragte der Baby-Change-Kommission möchte ich noch einmal auf die neuen Wechselstuben hinweisen, die ab 1.  November völlig anonym nutzbar sind. Alle Informationen findet ihr unter www.baby-change.berlin.de

by Maxim Kaspar
21 Oct

Baby Change

Ein Konzept, das sich bereits in New York und anderen Großstädten der USA bewährt hat, kommt nun endlich auch zu uns nach Deutschland. Vorerst nur in Berlin, werden sogenannte Wechselstuben in den Bezirksämtern eingerichtet. Dort wird es Eltern ermöglicht unkompliziert, schnell, anonym und unbürokratisch ihr Kind gegen ein anderes zu tauschen.

Das ist nur fair. Nicht immer erfüllt sich der Traum vom großen Glück und das Gefühl vom Schicksal mit einer Mogelpackung verarscht worden zu sein, trübt den Alltag. Entspannte ruhige Eltern mit Bastellust und Leselaune kriegen kleine wilde Bestien, die nur Toben im Kopf haben. Diese müssen dann mühsam in Ergotherapien umerzogen werden.

Auch der andere Fall tritt ein: das erwünschte wilde Mädchen alla Pippilotta Langstrumpf ist eine langweilige Transuse, die den Mund nicht aufkriegt.

Ab 1.November kein Problem mehr. Folgendes Zeichen führt Betroffene in eine neues Leben:

by Maxim Kaspar
5 Sep

Postfeminismus im Tagesspiegel

Am 25.August wurde im Tagesspiegel unter der Rubrik Wissen und Forschen“ ein Artikel mit dem Titel „Aufstieg in High Heels“ veröffentlicht.

Besprochen wird die gerade auf Deutsch erschienene Untersuchung „Top Girls“ ( engl. „The Aftermath of Feminism“) zum Thema Postfeminismus von der britischen Professorin Angela Mc Robbie.

Da es hauptsächlich um Frauen wie uns geht, die wir hier alle unter dem Titel eve-without-adam versammelt sind, sollte hier auch jemand, zu diesen Thesen Stellung beziehen.

1. Postfeminismus:

Wasn das? Der Begriff ist so umstritten, wie etwa der Begriff Demokratie und schon immer haben die wahren Feministinnen zu dieser peinlichen Kategorisierungsfloskel nur müde lächelnd sagen können: „Einen Postfeminismus kann es erst in einer postandrozentristischen Gesellschaft geben!“

Lieber Tagespiegel – das ist beschämend – sucht Euch Redakteurinnen, die Ahnung haben, von dem was sie schreiben. Einen Begriff in Anführungszeichen zu setzen macht die Sache auch nicht besser – zumal wenn dies nur in den ersten drei Absätzen des Artikels geschieht und sie anschließend weggelassen werden.

2. Feministinnen und Lesben:

Von denen sollen sich junge, erfolgreiche, Minirock-Highheel-Kombination tragende Frauen distanzieren – sie als „kastrierende Figuren“ verunglimpfen.

Blödsinn! Wir lieben Feministinnen und Lesben! Zudem hielten wir die Kastration für eine angemessene Strafe chauvinistischer Subjekte – wenn sich die meisten Männer nicht ohnehin in unseren Augen schon selbst kastriert hätten mit ihrer unzeitgemäßen Einstellung zu Familie, Kindern und starken Frauen.

Das Ablehnen vom Feminismus war zu allen Zeiten lediglich Ergebnis von fehlender Bildung.

3. Sexualverhalten:

Unsere Partyoutfits werden als „postfeministische Maskerade“ bezeichnet, lesbischer Sex im Minirock bedeutet wir sind „phallisch“ und natürlich steht das auch damit im Zusammenhang, dass wir „Hasstiraden auf Feministinnen“ halten.

Hääää? Partyverkleidung- Ja! Gibt es irgendeine Kultur auf diesem Planeten, in der sich bei einer Feier nicht verkleidet wird?

Lesbischer Sex auf der Toilette einer Bar mit einer oder auch zwei Freundinnen – klares Ja!

In der Regel sind wir von unseren Verkleidungen selbst extrem angeturnt und da sehr selten ein brauchbares Alphamännchen mit der richtigen Einstellung unseren Weg kreuzt (gibt’s die noch?)– nun ja…selbst ist die Frau.

Hasstiraden auf Feministinnen – Wieso? Wir sind Feministinnen.

Liebe Angela Mc Robbie geh doch mal mit uns feiern…

4. Niedergang der Linken:

Der Postfeminismus sei eine Reaktion auf den Niedergang der Linken.

Welcher Niedergang?

Wir sind nicht niedergegangen. Es gibt uns noch – überall auf der Welt. Ihr erkennt uns nur nicht, weil ihr euch nicht vorstellen könnt, dass die knutschenden Mädels im Club, die sich ohne Männer amüsieren, tagsüber Nancy Fraser, Judith Butler und Selma Benhabib lesen und diskutieren – ihr voreingenommenen Foubous!

5. Junge Mütter ohne Mann:

Die würden wir verhöhnen.  Meine Lieben gerne würde ich Euch namentlich nennen aber wir alle wissen wer gemeint ist. Ihr seid toll!

Einige von uns sind Mütter, manche in Beziehungen, manche nicht und dann wieder doch – mit einem anderen und wenn der auch nichts taugt – dann halt doch wieder nicht.  Manche Männer kümmern sich weiter, bei anderen ist es besser, dass sie ganz verschwunden sind. Hohn gegen Mütter- wasn das?

6. Weiblicher Perfektionswahn:

Um diesen Wahn zu veranschaulichen zitiert Mc Robbie Amy Winehouse: „Ein bisschen Magersucht, ein bisschen Bulimie. Es geht mir nicht total gut gerade, aber ich denke, das geht allen Frauen so.“

Mann, mann, mann – Amy ist drogenabhängig, das ist eine anerkannte Krankheit – ergo die Frau ist total krank und eine ihrer Äußerungen im Suff soll unsere Generation repräsentieren? Geht’s noch?

7. Die Krönung der Unverschämtheit

Zitat: „Auch Postfeministinnen sollten sich die Lektüre gönnen, wenn ihr Freund einmal keine Zeit hat für „Knallersex“. Aber nur heimlich unter der Bettdecke, sonst hält man sie noch für hässliche Feministinnen.“

Lieber Tagesspiegel,

wenn mich dieses pseudowissenschaftliche Buch auch nur die Bohne interessieren würde, würde mir mein Freund aus dem Buch vorlesen, während ich mit ihm Knallersex habe, wenn ich ihm sagen würde, dass es mich anturnt.

P.S.

Lieber Papa,

zu Deiner Frage – Nein, Du brauchst Dir dieses Buch nicht kaufen, um meine Generation zu verstehen – lad doch einfach mal mich und zwei von den Girls zum Essen ein und stell uns die Fragen, die Dir auf dem Herzen liegen.

Kuss

by Maxim Kaspar
23 Jul

Liebe Brauseboys

Im Winter bin ich auf einen netten autobiographischen Kurzgeschichtenband mit dem Titel „Wenn Weddinger Weinen“gestoßen.

Vom Autor Hinark Husen, einem schwulen zugezogenen Westfalen, erfuhr ich auf dem Klappentext, dass er Mitglied verschiedener Lesebühnen wie den Brauseboys oder Dr. Seltsams Frühshoppen sei.

Nachdem ich in die ersten Seiten reingeblättert und Tränen gelacht hatte – bei Formulierungen wie: „Sie (…) fragt, ob ich Kriegsgeneration sei. Ein hässlich buntes Blitzern und Funkeln spielt sich in meinem Hirn in diesem Augenblick ab. Hat sie tatsächlich Kriegsgeneration gesagt? Ja, hat sie. Hab ich einen Krieg verpasst? Meint sie Vietnam? Wie viel Jägermeister habe ich gestern Abend eigentlich mit meinem Vater gesoffen?“

– oder wenn Hinark ( Weddinger duzen sich, jedoch aus anderen Gründen als die Wasserbrinkianer) beschreibt, wie er nach einer Razzia in der „abgeranzten Disco-Spelunke“ Joker ein Packen Gras in seinem Briefkasten findet, das offenbar von einem flüchtenden Ticker dort versteckt worden war und das für einen „Wink des Schicksals“ hält, sich „mal wieder mit gesünderen Drogen einzulassen“, denn „ein bisschen Kiffen hält Leib und Seele zusammen“….zu köstlich..

Da ich eine gebürtige Weddinger-Göre bin, war mein Interesse geweckt.

Jedenfalls sind wir nun gestern endlich zu den Brauseboys in den Weddinger Osram-Höfen und nun jaaaaa – …

Hauptsächlich ging es um „Arschficken in der Russischen Botschaft“, „Schatten, die sich beim Masturbieren an der Schulter lecken“ und die Nekrophilie eines Messies. Nicht zu vergessen die Gasblasen im Darm, die sich nach Gulaschverzehr beim Sita-Yoga bilden. Zudem wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei „Ich mag Deine Möse Miriam“ um einen Stabreim handelt und über die politische Dimension einer Geschichte, in der es darum ging, den Kuschelfrosch eines Kleinkinds wiederzubeschaffen, glaubte man, das Publikum zusätzlich in einem sogenannten Exkurs aufklären zu müssen.

Bei jeder Gelegenheit wurde auf penetrante Weise auf das Schwulsein der Kombo verwiesen, obwohl doch Hinark selbst in den weinenden Weddingern feststellt, dass man auch im Wedding „revolutionär und schwul sein konnte, es interessierte nur keinen.“

Die Krönung des Abends war der ermüdende 20-minütige Vortrag einer Kellnerin des La Luz (oder war das etwa raffiniert inszeniert?), dessen Zweck hauptsächlich darin bestand, zu erklären, dass sie eigentlich eine intellektuelle, jedoch zu unrecht erfolglose, studierte Regisseurin sei. Wir fragen uns, woher das wohl kommt.

Vorgeschichte:

Weil wir ein wenig zu früh da waren (auf der Homepage wurde wegen Überfüllung dazu geraten und leider hatten wir die Ironie der Aussage fehlgedeutet), bestellten wir uns ein Wiener Schnitzel vom Kalb mit Rahmpfifferlingen (gegen die frische und preiswerte Küche des La Luz lässt sich absolut nichts einwenden und darf vielleicht sogar Geheimtipp für Weddingtouristen genannt werden) und bekamen ein Schweineschnitzel mit Pommes aber ohne Pfiferlingsrahm vorgesetzt. Nachdem wir die Kellnerin freundlich darauf hingewiesen hatten, wurden wir Zeugen ihres ersten Formulierungs-Fauxpas’, denn sie verwechselte „oh, das tut mir aber leid“ mit einem schnippischen „is o.k.“, woraufhin sie eingeschnappt abgerauscht war.

Zuvor hatten wir gefragt, ob wir nicht auch während der Vorstellung noch bestellen könnten (auch darauf wurde ausdrücklich auf der Homepage hingewiesen) – worauf sie antwortete, dass dies zwar prinzipiell möglich sei, für sie aber „blöd“!

Aha.

Ihre Erzählung handelte dann auch ausschließlich von ihrem Gäste-Hass und ihrer offensichtlichen Überforderung (ich darf das sagen, da ich schließlich selbst 10 Gastronomiejahre auf dem Buckel habe und das trotz zweier Kinder und zusätzlichem Studium). Von dem, von ihr in der Geschichte behaupteten Dauerlächeln ihrerseits, gegenüber unentschlossenen Gästen, die ja ohnehin nichts weiter über Wein zu sagen wüssten als „süffig“ und „trocken“, bekamen wir jedenfalls am gestrigen Abend nichts zu sehen.

Es tut mir leid Du dumme Nuss – aber… Du bist nicht nur eine schlechte Kellnerin sondern auch ne grottenschlechte Schriftstellerin.

Den Rest des Abends konnten wir uns immerhin über die Vorstellung beölen, wie sie immer wieder verständnislos ihre eingereichten Drehbücher unkommentiert zurückerhalten hatte (auch das wurde von ihr pseudopoetisch berichtet).

Liebe Brauseboys,

Traut dem Publikum mehr zu! Ist „Sex sells“ nicht ein abgelutschtes Konzept? „Fuck Heteros“ ist nur bedingt komisch und genderpolitisch sehr fragwürdig.

Wenn ihr Euch mehr Mühe gebt, kommen wir gerne wieder.

Ihr könnt mehr!

Und…schmeißt die Kellnerin raus!

by Maxim Kaspar
6 Jul

Bullshit!

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich es nur aushalten würde, den lieben langen Tag mit der Lektüre unendlich langweiliger philosophischer Schriften zuzubringen.

„Bullshit“ kann ich dazu nur sagen.

„Wie Bullshit? Du liest nicht den lieben langen Tag? Philosophische Schriften sind nicht langweilig? Du hältst es nicht aus? Du bringst nichts zu?“

„Nein. Ich meine >Bullshit< ist eine philosophische Schrift“

„Philosophische Schriften sind Bullshit?“

„Mann, hör doch mal zu! Andersherum!“

Ein wundervolles Werk für den Einstieg in elitär geistige Gefilde ist Harry Frankfurts Abhandlung „Bullshit“. Harry Frankfurt, Professor für Philosophie an der Princeton University, lehrte u. a. in Oxford und Yale, ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Mitglied der American Academy of Arts und Sciences. Also absolut oberelitär – viel mehr geht eigentlich nicht, wenn man Philosoph ist.

„Bullshit“ beginnt mit den erbaulichen Worten:

„Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es so viel Bullshit gibt. (…) Die meisten Menschen meinen, sie seien in der Lage, Bullshit zu erkennen und sich vor ihm zu schützen, weshalb dieses Phänomen bislang wenig ernsthafte Aufmerksamkeit gefunden hat und nur unzulänglich erforscht ist. Das hat zur Folge, dass wir nicht sonderlich genau wissen, was Bullshit ist, warum es so viel davon gibt und welchen Zwecken er dient. “

Klassische Einstiegsphrasen eines akademischen Texts. Bullshit kann durch jeglichen Terminus ersetzt werden.  Da fast alles was wir Menschen fabrizieren, Bullshit ist. Der Bullshitfaktor ist häufig auf den ersten Blick erkennbar, manchmal jedoch in der Funktionale, im größeren Rahmen, versteckt.

Frankfurt endet seine Einschätzung in etwa so:

„Bullshit ist immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen. (…) In dieselbe Richtung wirkt die weitverbreitete Überzeugung, in einer Demokratie sei der Bürger verpflichtet, Meinungen zu allen erdenklichen Themen zu entwickeln oder zumindest zu all jenen Fragen, die für die öffentlichen Angelegenheiten von Bedeutung sind.

Das Fehlen jedes signifikanten Zusammenhangs zwischen Meinungen eines Menschen und seiner Kenntnis der Realität wird natürlich noch gravierender bei einem Menschen, der es für seine Pflicht als moralisch denkendes Wesen hält, Ereignisse und Zustände in allen Teilen der Erde zu beurteilen.“

Im weiteren hat Frankfurt den aktuellen Blogger-Trend  vorhergesagt (er tat dies 1975), denn dies ist die einzig logische Konsequenz einer Entwicklung, die es dem Einzelnen immer schwerer macht, sich um eine richtige Darstellung der gemeinsamen Welt zu bemühen. Der Blog ist Ausdruck dafür, dass alternativ jeder Einzelne versucht, eine „ (…)möglichst aufrichtige Darstellung seiner selbst zu geben. Jedoch sind besonders Aussagen über uns selbst keineswegs solide und resistent gegen eine Auflösung durch skeptisches Denken.“

Frankfurt schließt seine Untersuchung mit den Worten: „Und angesichts dieser Tatsache ist Aufrichtigkeit selbst Bullshit.“

Da bin ich persönlich aber sehr beruhigt. Wenn Frankfurts Einschätzung richtig ist, dann ist mein Blog ganz und gar kein Bullshit…

by Maxim Kaspar
1 Jun

Geld und Liebe

Über Begriffe aus der Welt des Geldes definieren die meisten Menschen in unserer Umgebung ihre zwischenmenschliche Beziehungen – vor allem aber ihre Liebesbeziehungen. Wenn wir genau hinhören sprechen sie…:

-       Über Mitzählen und sich lohnen

-       Von ineinander investieren

-       Nutzen aus einer Beziehung ziehen

-       Von Einsatz und Lohn

-       Von Vermögen

-       Unzureichender Ausstattung

-       Von Bereichern

-       Von Ausbeuten

-       Von Pleiten

-       Von alten Hypotheken

-       Davon, dass einer immer die Zeche zahlen müsse

-       Einer mehr als der andere von einer Beziehung profitiere

-       Vom Wunsch jemanden für sich zu gewinnen

-       Jemandem etwas heimzahlen wollen

-      jemandem etwas wert sein

-      Etwas Preisgeben

-       Etwas Bewahren

-       Hinnehmen und Fordern

-       Gelten und Vergelten

-       Seelischem Bankrott und

-       Persönlichem Tribut

„In einer Liebesbeziehung wird im Geiste im Bezug auf jemand anderen gehaushaltet und fortwährend eine Bilanz von Investitionen, Gewinn und Verlust, Zinsen, Kredit, Schuld und Sühne aufgestellt. In dieser Wechselbeziehung zwischen zwei Personen spiegelt gleichsam die gegenseitige Wertschätzung das Verhältnis wider.“

Connie Palmen (Ganz der Ihre)

Warum macht mir das Bauchschmerzen?

Meine Liebe – Foto by Franziska Taffelt